Höher hinaus, eine grüne Kampfansage an Klinkerbau, Putz, Beton und die Schwerkraft. Sie nimmt den Weg des geringsten Widerstands, zur Sonne hin und weg von ihren Wurzeln. Etliche Stränge umschließen den Haupttrieb wie ein Netz, nicht unähnlich denen, die der Verputzer als Haftgrundlage unter seinem Gewerk anbringt.
Hat der Efeu erst einmal seinen Weg gefunden ist er drahtig und zäh. Und werden auch bereits eroberte Fenster von ihren Bewohnern teils dem wuchernden Pflanzenteppich überlassen, teils regelmäßig von allen Blättern befreit, so kann das der Substanz des Gewächses doch nichts anhaben.
Die Blätter des Efeus ähneln von der Form her Ahornblättern mit der Vorspannung eines Profi-Kletterschuhs. Sie wirken gerade so, als reckte sich die vorderste Spitze der Pflanze nach dem nächsten potenziellen Halt, um daran anzudocken, bereit ihre Wanderung zum Giebel fortzusetzen. Farbe und Maserung der grünen Fassadenwimpel oszillieren irgendwo zwischen Weinblatt und Forellenbegonie.
Während diese beiden aber nur in milden bzw. tropischen Klimata gedeihen, ist Efeu eine Allwetterpflanze, die das Haus zwar gemütlich macht, es selbst aber auch ungemütlich und feucht mag. Recht stabile Triebe in Kombination mit eher losen, windschnittigen Blättern sorgen für sicheren Halt am Mauerwerk, auch wenn es stürmt.
Im tropischen Klima unserer Wohnungen ist die sogenannte Efeutute zurzeit in. Normaler Efeu wächst zwar auch indoor, passt aber einfach nicht so gut zum Style, den Monstera, Calathea & Co. versprühen. Efeutute hat zwar das gleiche kriechende, sich streckende Wuchsverhalten wie ihr alltäglicherer Namensgeber, ihre Blätter wirken aber eher wie spitzer Feldspinat im Sukkulentenkostüm, voller Lust auf Akrobatik und freches Ausbreiten in alle Richtungen.
Im Gegensatz zu ihrem kaltherzigeren Namensvetter kann sie nicht so gut klettern und braucht dazu Hilfestellung durch Nägel oder sonstige Befestigungen. Dann aber wächst sie sehr zielgerichtet an den Fixpunkten entlang und lässt sich hervorragend als Girlande für den nächsten Öko-Geburtstag verwenden.
Bleibt man zuverlässig bei der Tradition des Fixpunktwuchses, mengt Dünger bei und fährt fleißig zweigleisig mit Tuten- und stinknormalem Efeu, wird einen in ein paar Jahren keiner mehr davon abhalten können, sich auch ohne Party wie Tarzan von Zimmer zu Zimmer und schließlich im Innenhof von Haus zu Haus zu schwingen.
Ein Workout im Grünen, per „Du“ mit der Natur, aber dennoch nahe genug an sämtlichen Bequemlichkeiten, die die eigenen vier Wände so zu bieten haben.
Balkon und Park waren gestern.
Worauf wartet ihr also noch? Besorgt euch Ableger von Rankenpflanzen bei euren Freunden und bringt Leben in und an die Bude!

FelixRudolf Was kreucht und fleucht

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert